Wochenbett-Erfahrungen einer 3-fach-Mama – Von Unsicherheiten und Stillproblemen

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Als Dreifachmama habe ich das Wochenbett sogar 3 mal durchlebt. Das erste Mal war das Prägnanteste. Dabei hatte ich leider nicht den Luxus, eine Geburtsvorbereitung bei einer Hebamme besuchen zu dürfen. Die Kurse unsere zwei Kleinstadthebammen waren bereits in meiner 7. SSW komplett ausgebucht.

Absolut unbefleckt und voller Ängste und Sorgen aber auch falscher Vorstellungen lag ich also mit meinem Mann im Kreissaal. Wie das so ist im Leben: nichts ist planbar. Aus der natürlichen Geburt wurde ein Kaiserschnitt und damit begann – meiner Meinung nach – der Horror im Wochenbett. Mein Kind war da und ich lag im Aufwachraum. Erst drei Stunden später – immer noch nicht fähig, meine unteren Extremitäten auch nur ansatzweise zu bewegen – lag mein süßer kleiner Sohn neben mir und hatte Hunger. Geschrien hat er wohl schon eine ganze Weile, bevor er mir endlich gebracht wurde; sodass mir das frisch geborene Mutterherz augenblicklich blutete. Die Verbindung zwischen uns war sofort mit aller Macht da und ich litt mit diesem armen kleinen Bündel, das lauthals nach Milch verlangte und schon ganz rot angelaufen war. Stärkt das etwa auch die Lungen? #nichthilfreich

Im Zimmer: unser kleiner Schreihals und mein Mann, der mindestens genauso hilflos war wie ich. Keine Schwester weit und breit, keine Hebamme. Obwohl die Klingel mittlerweile schon auf Notfall umschaltete, kam niemand.

Absolut unbedarft habe ich den kleinen Piranha versucht anzulegen. Er – hungrig wie ein Bär nach dem Winterschlaf, ich – ohne Milcheinschuss (vielleicht auch wegen dem Kaiserschnitt). Voller Tatendrang kaute der Zwerg an meiner Brust und rupfte und zog. So sehr, dass es mir die Tränen in die Augen trieb. Irgendwann nach zehn Minuten fiel er völlig erschöpft ab. Dann kam endlich die Schwester, machte ihn wach und sagte, er müsse auch noch an die andere Seite. Ich glaubte ihr obwohl ich es selbst nicht übers Herz gebracht hätte, ihn zu wecken. Er wollte immer wieder einschlafen, aber sie krabbelte ihm dann hinter dem Ohr, sodass er aufschreckte und weiter kaute. Nach weiteren zehn Minuten (die sich am nächsten Tag auf 15 pro Seite ausdehnen sollten – viel zu lange!!) schlief er und durfte das dann auch. Die Stillprobe ergab 0,0 Gramm. Wir bettelten um eine Flasche und ich meine wirklich betteln, denn stillen kann schließlich jeder, wenn frau nur will! Das Ende vom Lied: meine Brustwarzen waren blutig, rissig und schmerzten so sehr, dass sich alles in mir sträubte, ihn auch nur in die Nähe meiner Brust zu lassen. Ich war so froh, als wir endlich aus dem Krankenhaus entlassen wurden. Durch den Nuckel, den er von den Schwestern direkt nach seiner Geburt in den Schnabel gestopft bekommen hatte und seine erfolglosen Versuche an der Brust, war das Stillen für uns abgehakt. Er weigerte sich, verständlicher Weise, aus der Brust zu trinken. Also pumpte ich ab. 4 Monate lang. Damit ich ihm trotzdem geben konnte, was mein Körper für ihn produzierte. Aber das reichte nicht. Hinten und vorne nicht bei diesem kleinen Vielfraß.

Ich habe mich so schlecht gefühlt. Da setze ich ein Kind in die Welt, welches ohne die Möglichkeiten der Medizin nicht mal da wäre und dann kann ich es ohne die Milchpulverindustrie nicht ernähren. Die ersten Monate hat das ganz arg an meiner Psyche genagt. Durch die Zeit der fehlenden Unterstützung im Krankenhaus und dem Stress mit der Muttermilch hat mir mein Mann geholfen, der immer an meiner Seite stand und mir half, das Wochenbett ohne Knacks zu überstehen. Er hat mich aufgebaut, mit lieben Worten, mit Kuscheleinheiten oder einfach auch als Taschentuchlieferant und Zuhörer.

Ich kann jeder Mama nur sagen:

1.) hört auf euren Instinkt. Ich habe das nach der Geburt meines ersten Kindes leider nicht getan und uns damit selbst das Leben schwer gemacht.
2.) Und trotz des industriellen Milchpulvers ist mein Sohn ein selbstbewusster kleiner Schlaufuchs der selten krank, dafür aber neugierig aufs Leben ist. Es gibt eben – entgegen einiger Meinungen – auch Mamas die nicht stillen können! Und auch diese Kinder sind großartig und keinesfalls benachteiligt oder weniger geliebt!

Die Wochenbetten seiner zwei Geschwister waren da schon entspannter. Selbes Krankenhaus, noch weniger Schwestern – aber eine Mama mit mehr Durchsetzungsvermögen und Erfahrung. Das Wochenbett ist doch dafür da, dass der neue Erdenbürger den Schock seines Auszuges aus der kuscheligen Einraum-Wohnung überwindet und die Mama lernt, welches Schreien für „volle Windel“ und welches für „Hunger“ und „müde“ steht. Als Mama wird frau nicht geboren, aber bei den meisten reicht das Wissen um den kleinen Bauchzwerg schon aus. Spätestens im Wochenbett – face to face ist dieses Wunder dann wirklich greifbar! #wunderbarezeit

Tina, Mama der #felchnerbande

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By | 2019-01-09T14:22:53+00:00 09. Januar 2019|Allgemein, oh-kind, Redaktioneller Beitrag, sei-dabei|0 Comments