Stillen Weltweit – ein Interview mit der New Yorker Fotografin „Tina Boyadjieva“

Werbung | Anzeige

Zugegeben, die Kampagne ist schon ein paar Monate her – wir finden sie aber so großartig, dass wir mit Fotografin Tina Boyadjieva aus New York ein kleines Interview geführt haben. Die Fotokampagne „Breastfeeding around the World“ war Ende letzten Jahres ein gemeinsames Projekt mit Lansinoh, der Marke für stillende Mütter.

Tina Boyadjieva Fotografin New York

Tina Boyadjieva bereiste fünf Kontinente, um 65 stillende Mütter und ihre Kinder zu fotografieren.
Die Kampagne hatte das Ziel, Frauen und das Stillen global zu stärken und Bewusstsein für das Thema Stillen zu schaffen. Tina wurde für ihre Arbeit ausgezeichnet und vielfach veröffentlicht.

Die Bulgarin fing mit sechs Jahren an, mit einer alten Filmkamera ihres Opas, zu fotografieren und hörte, wie sie sagt, nie mehr damit auf. Mit 18 zog sie in die USA, lebte in Florida, California, North Carolina, London, Florence blieb schließlich in New York. Hauptsächlich fotografiert sie Mode und Portraits am liebsten mit dem Fokus auf Frauen.

Loolei aus Kenya

Als Maasai-Frau besteht ihr normaler Tag darin, Perlenketten herzustellen, Essen für die Kinder zuzubereiten und das Haus zu warten, während ihr Mann beim Vieh ist. Sie ist die zweite Frau ihres Mannes, sagte aber, sie habe eine wunderbare Beziehung zu der anderen Frau und den Kindern ihres Mannes. Ein weiterer Höhepunkt für Fotografin Tina war, dass sich beim Geburtserlebnis von Maasai-Frauen alle Frauen im Dorf versammeln und bleiben, bis das Baby geboren ist.

Weltweit stillen Kenya

Bildcredit: Tina Boyadjieva

Tina, du hast 5 Kontinente, 18 Länder und 22 Städte bereist, um eine beeindruckende Bilderreihe von Müttern die ihr Kind stillen festzuhalten. Was war dabei einer der beeindruckendsten Momente auf der Reise?

„Die Arbeit mit jeder einzelnen Mutter war beeindruckend. Jede der 65 Mütter hatte ihre eigene Lebensgeschichte in die sie mich haben eintauchen lassen. Wahrscheinlich die prägendste Geschichte war aber die einer Massai Kriegerin in einem Dorf unterhalb des Kilimanjaros, nahe der Grenze zu Tansania. Das Dorf existierte nicht mal auf google maps. Ich habe mich wie in einer anderen Welt gefühlt, als würde ich National Geographic gucken aber live und nur für mich aufgenommen. Die Massais nahmen mich auf, als würden sie mich schon immer kennen. Sie hatten ein traditionelles Kleid für mich, ich probierte Ziegenfleisch und spielte mit ihren Kindern. Abends saß ich mit den anderen am Feuer oder beobachtete die jungen Krieger wie sie das Dorf vor wilden Tieren bewachten.

Sie erzählten mir womit sie zu kämpfen haben – Mangel an Gesundheitsversorgung, wilde Tiere, keine Arbeitsmöglichkeiten, kein Geld, um Essen zu kaufen,… So viele Probleme, die für uns in der westlichen Welt unbedeutend sind, weil alles zu genüge vorhanden ist.“

Hilda aus Mexico

Tina sprach eines Morgens Hilda und ihrer Tante auf dem Marktplatz an, die gerade dabei waren Textilien zu verkaufen. Hilda zögerte erst, ließ sich dann aber doch in ihrem traditionellen Outfit vor der Hauptkathedrale fotografieren. „Ich liebe die Connection. Es ist die beste Möglichkeit wie dich dein Baby emotional und körperlich kennenlernen kann!“

Stillen weltweit Hilda aus Mexico

Bildcredit: Tina Boyadjieva

Gab es Unterschiede zwischen den verschiedenen Müttern in den verschiedenen Ländern? Vielleicht auch in der Art und Weise wie sie stillen?

„Natürlich, es gab jede Menge Unterschiede. Ich habe versucht die Kampagne so vielfältig wie möglich umzusetzen und mir natürlich die anspruchsvolleren Situationen rausgesucht. Ich hatte Mütter aus einem Ghetto in Johannesburg, Mütter in Südafrika, die sich mehr um Tiere und Pflanzen, als um ihr eigenes Wohl kümmern. Aber auch Workingmoms aus Europa und wohlhabende Hausfrauen aus Lateinamerika. Brasilianerinnen, die wiederum einen völlig anderen Lifestyle leben, als eine Mama aus China. Selbst die Amerikanischen Mütter, die ich im Vorfeld recherchierte, hatten völlig unterschiedliche Hintergründe. Jede dieser Mütter war eine große Stillbefürworterin.

Die Art und Weise des Stillens war gleichermaßen unterschiedlich. Ich hatte eine Mutter aus China, die nur im Liegen stillte. In Israel stillte eine Mutter ihr Kind über den Kinderwagen kniend (sie war eine Yoga-Trainerin ). Andere stillten im Stehen, im Sitzen – ich sah glaube ich jede Position die ihr euch nur vorstellen könnt.“

Leandra aus Deutschland

„Ich hatte Gott sei Dank nie Schwierigkeiten mit dem Stillen!“

Leandra aus Deutschland „Ich hatte Gott sei Dank nie Schwierigkeiten mit dem Stillen!“

Bildcredit: Tina Boyadjieva

Die Reise war eine Kooperation mit Lansinoh. Wie habt ihr die verschiedenen Mütter gefunden und wie war die Arbeit mit ihnen? Immerhin solltest du sie während eines sehr intimen Moment fotografieren?

„In den Ländern, in denen Lansinoh ein Büro hat, habe ich mir Unterstützung geholt. In China z.B. war es sehr schwer. Keine Local-Mutter wollte mitmachen, da das Stillen an öffentlichen Plätzen nicht gerne gesehen wird. Das machte die Sache wirklich schwierig. In vielen anderen Ländern kam ich über persönliche Kontakte auf die Mütter oder tatsächlich auch einfach durch Rumfragen. In Sri Lanka bin ich in ein tamilisches Dorf gelaufen und habe einfach ein paar der Leute angesprochen bis ich die richtige Mutter gefunden hatte. In Lateinamerika bin ich auf den Markt gegangen und habe nach Frauen in traditionellen Kleidern mit Baby im Arm Ausschau gehalten.

Ich glaube das gefährlichste war das Shooting in einem Getto in Johannesburg. Auch in Mexiko waren die Mütter etwas skeptisch und ängstlich, als ich ihnen erzählte, ich sei eine amerikanische Fotografin. Genau zu dieser Zeit ging durch die Presse, dass Einwanderer an der US-Grenze von ihren Kindern getrennt wurden. Also zeigte ich ihnen immer Fotos der anderen Mütter in den verschiedenen Ländern und plötzlich waren sie total glücklich, dass sie ein Teil davon sind.“

Cibele Camara aus Shanghai

„Seit sechs Jahren leben wir in Shanghai. Meine zweijährige stille ich nach wie vor. Ich bin der Meinung, es gibt nichts Gesünderes für ein wachsendes Kleinkind!“

Stillen Weltweit Cibele Camara aus Shanghai

Bildcredit: Tina Boyadjieva

Gab es irgendwelche Probleme in irgendeinem Land, diese Aufnehmen in der Öffentlichkeit zu machen?

„Nicht wirklich. Nur in China musste alles recht schnell gehen. Stillen in der Öffentlichkeit wird dort nicht wirklich akzeptiert. Ich wollte die Mutter aber unbedingt in den Yunan-Gärten fotografieren, einem traditionellen chinesischen Dorf im Zentrum von Shanghai, das Touristen aus aller Welt anzieht. Ich hatte nicht mehr als 5 Minuten mit ihr, um meinen Schuss zu bekommen. Und ja, es gab so einige Blicke von den Einheimischen.“

Vajira aus Sri Lanka

„Ich bin Hausfrau und Mutter von 4 Kindern. Mein Kleinster ist 4 Monate alt. Mein Mann arbeitet als Tuk Tuk Fahrer und Polsterer.“

Stillen weltweit Vajira aus Sri Lanka

Bildcredit: Tina Boyadjieva

Wie hat dich diese Reise verändert?

„Für einen kurzen Moment ein Teil der täglichen Realität von 65 individuellen Müttern zu sein, mit ihrer eigenen Story, ihren unterschiedlichen Problemen aber auch Freunden, hat mich auf jeden Fall geprägt. Ich hatte plötzlich einen anderen Blickwinkel auf das Leben. Es hat aber auch mein Verlangen gestärkt mit meinen Fotos Geschichten zu erzählen.“

Maryluz aus Peru

In Peru stillen Frauen ihre Babys auf der Straße, gehen den Berg hinauf, stehen auf dem Markt – es gehört zum täglichen Leben. Tina lernte Maryluz, ihre Tante, ihr Baby und ihr Lama kennen, als sie am ersten Tag in Peru herumlief. Die Frauen freuten sich über die Kampagne und waren sofort dabei.

Stillen weltweit Maryluz aus Peru

Bildcredit: Tina Boyadjieva

Eunice aus Johannesburg

Tina arbeitete mit „Africa Food for Thought“ zusammen, einer Organisation, die arme Familien mit Nahrung versorgt. Durch die bekam sie sicheren Zugang zu den Favelas. Hier lernte sie Eunice kennen, eine junge Mutter, die zu Hause bei ihren Eltern lebt. Eunice ist das wichtigste sicherstellen, dass ihr Baby in der kriminellen Nachbarschaft sicher aufwächst.

Stillen weltweit Eunice aus Johannesburg

Bildcredit: Tina Boyadjieva

Vielen Dank für das großartige Interview, Tina Boyadjieva und Lansinoh!

In der „Nestgeflüster“-Podcastfolge „Stillen“ teilen wir, Saskia und Jana von wowmom.tv, ebenfalls unsere ganz persönlichen Stillgeschichten!

By | 2019-03-11T13:01:53+00:00 11. März 2019|Allgemein, oh-kind, Redaktioneller Beitrag, sei-dabei|0 Comments