„Nach der Geburt meines Sohnes war ich tief traurig!“ – Geburtstrauma und Wochenbettdepression

Ich möchte euch hier anonym von meinem Geburtstrauma und meiner Wochenbettdepression erzählen, da ich er Meinung bin, dass viele Außenstehende oft nicht mit Betroffenen wie mir umzugehen wissen oder es vielleicht sogar gar nicht realisieren, wenn jemand betroffen ist.

Erstmal kurz zur Geburt. Ich wollte gern auf normalem Wege entbinden und bin einen Tag vor ET mit Wehen ins Krankenhaus gekommen.
Die Wehen gingen sehr lange und nach 28 Stunden hat meine Hebamme mir dann eine PDA empfohlen, weil sie glaubte irgendetwas wäre merkwürdig.

Nach der PDA wurde meine Fruchtblase geöffnet. Endlich war der Muttermund bei 10cm nach anstrengenden 29 Stunden. Dann wurden jedoch die Herztöne von mir und meinem Kind schlechter und es kam zu einem Geburtsstand. Es tat sich rein gar nichts. Meine Ärztin hat dann entschieden, es wird ein Notkaiserschnitt mit Vollnarkose. Bei mir ist eine Welt zusammen gebrochen. Ich war so wehrlos und all dem einfach ausgeliefert. Ich wollte einfach nur, dass mein Kind gesund zur Welt kommt. Nach 31 Stunden war er dann endlich da! Als ich aus der Narkose aufgewacht bin, war mein Mann schon mit meinem Sohn am kuscheln und ich durfte auch direkt gemeinsam mit den beiden die ersten Stunden verbringen.

Ich war dennoch wie neben der Spur, natürlich auch durch die Nebenwirkungen, aber ich fühlte mich, als wäre ich nicht ich selbst.
Nach 4 Tagen wurden wir entlassen und zuhause wurde es richtig schlimm. Ich habe mich alleine gefühlt, obwohl meine Familie und mein Mann da waren, um zu unterzustützen.
Das stillen hat nicht geklappt und meine Nachsorgehebamme hat mir deshalb noch Schuldgefühle eingeredet. Ich war nur am Heulen. Aber das soll’s noch nicht gewesen sein. Die Hebamme hat mir gesagt, sie müsse die Narbe begutachten – dafür sollte ich die Steristrips auf der Narbe abmachen, obwohl meine Ärztin gesagt hat die bleiben für 10 Tage.

_Da war ich nun, enttäuscht von der Geburt, enttäuscht von mir selbst, und tief traurig, weil ich es mir anders vorgestellt hatte. (3)

Natürlich habe ich meiner Hebamme da vertraut, was mir dann schnell zum Verhängnis wurde. Nach 2 Tagen hohem Fieber , starken Schmerzen und Druckgefühl an der Narbe und Stillproblemen hat meine Hebamme gesagt , es wäre nur eine Brust Entzündung… bis ich morgens aufgewacht bin und meine Narbe aufgeplatzt war. Ein heftiger Bauchabzess. Schnell musste ich wieder ins Krankenhaus. Die brennende Rötung erstreckte sich von der Narbe über den Bauch bis hin zum Rücken. Ich stand kurz vor einer Sepsis und bin nur haarscharf einer OP entkommen, weil die Antibiotika nach 5 Tagen endlich Besserung gebracht haben. Nach einer Woche in der ich mich nicht selbst um mein Kind kümmern konnte, da ich nicht aufstehen und nichts tragen durfte und in der ich komplett abstillen musste, konnte ich endlich wieder nach Hause. Es begann eine schmerzhafte und harte Zeit für mich, in der ich in ein tiefes Loch gefallen bin. Die Heilung dauerte ewig und die Schmerzen hielten noch sehr lange an. Die Hebamme durfte natürlich nicht mehr kommen.

„Da war ich nun, enttäuscht von der Geburt, enttäuscht von mir selbst, da ich mich nicht selbst um mein Baby kümmern konnte und abstillen musste, tief traurig, weil ich es mir anders vorgestellt habe.“

Es kam noch hinzu, dass dann meine damalige beste Freundin, die noch schwanger war mit Stichelein anfing, bald habe sie endlich die ganze Aufmerksamkeit für sich und sie ist ja nur zum Bespaßen im Krankenhaus gut, weil ich zu dem Zeitpunkt keine Zeit und Kraft hatte ihr auch nur zu schreiben.
Gerade dann als ich Verständnis gebraucht hätte und einfach nur jemanden der mir ein gutes Gefühl gibt, hat sie einfach nachgetreten. Das ging auch noch nach einem Monat so weiter.

Da ich nur am Weinen war und dachte ich würde nie aus diesem Loch der Traurigkeit rauskommen, habe ich nach einem Streit mit ihr direkt entschieden, es muss ich etwas ändern.

Das hat mir den Arschtritt gegeben, den ich gebraucht habe, um von all den negativen Menschen und Dingen Abstand zu nehmen in meinem Leben.

Mir hat auch die Unterstützung meines Mannes und meiner Mama sehr geholfen. Beide waren einfach jederzeit da und haben mich entlastet, sodass ich mich sammeln konnte. Durch die beiden blieb mir der Besuch beim Psychologen erspart. Sie haben mich bestärkt, dass ich mich nur an den positiven Dingen im Leben festhalten soll und all das Negative loslasse, das hat mir sehr geholfen. Ich habe die Menschen die mir ein schlechtes Gefühl geben aus meinem Leben “verbannt”. Seitdem erfreue ich mich an den schönen Dingen und Momenten, die das Leben so bietet und versuche all das Schlechte so weit es geht auszublenden oder fernzuhalten und habe die Dinge und diese wundervollen Menschen um mich herum noch mehr zu schätzen gelernt. Ich hoffe andere haben auch eine stützende Familie oder eine helfende Person und schaffen es so aus ihrer Depression heraus.

7 Monate nach der Geburt ging es dann endlich bergauf.
Die Geburt ist jetzt 21 Monate her, aber die Narben sowohl körperlich als auch seelisch werden immer bleiben.

Ich hoffe, dass ganz viele das Thema erreicht und die Menschen einfach sensibler mit frisch gebackenen Mamis umgehen, denn niemand kann wissen, was eine Mutter bei der Geburt und im Wochenbett wirklich durchgemacht hat.

Mama, anonym

By | 2019-01-25T21:27:46+00:00 25. Januar 2019|Allgemein, oh-kind, Redaktioneller Beitrag, sei-dabei|0 Comments