Mein Wochenbett-Bericht – Sarah von Naturkraxler

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Wie beginnt man am besten die Geschichte seines Wochenbettes? „Es war einmal die Geburt“, „am Anfang stand die Geburt“ oder „wie alles begann“. Wenn ich an die Geburt meines Sohnes zurückdenke, und überlege, an was ich mich als erstes erinnere, dann wäre das, dass ich nichts gesehen habe.

Irgendwie war ich komplett überrascht, als die Presswehen anfingen. Ich war der festen Überzeugung, ich hätte noch ein paar Stunden vor mir. Von allen Seiten hatte ich zuvor die schlimmsten Geschichten gehört, dass Frauen 24 Stunden oder noch länger in den Wehen lagen. Umso erstaunter war ich dann, als es bei mir nach 7 Stunden „ganz plötzlich“ los ging. Im dicksten Winterpulli, da es Ende März war.

„Und während ich da so lag, schwitzte und presste in meinem dicken Pulli und die Brille immer mehr beschlug, entschloss ich mich, eben diese mit Schmackes in die nächste Ecke des Kreissaales zu katapultieren. Blöde Idee, denn meinen frisch geborenen Sohn musste ich mir dann direkt vor‘s Gesicht halten, um ihn erkennen zu können.“ – Sarah

Naturkraxler Sarah

Kaum waren wir vom Kreißsaal in unser Krankenhauszimmer verlegt, fragte ich die Schwester, wann ich entlassen werden könne. Ich hätte eine ambulante Geburt bevorzugt, allerdings war mein Mann strikt dagegen, aus Sorge, vor möglichen Komplikationen. So verließ ich nach zwei Tagen schon wieder das Krankenhaus, denn Zuhause ist es doch am Schönsten. Ins Auto einsteigen gestaltete sich allerdings mit einem genähten Dammschnitt als mittelgroße Herausforderung. Erst die Füße ins Auto? Erst den Hintern? Gar nicht so einfach.

Zuhause angekommen warteten bereits unsere zwei Hunde auf uns und begrüßten mich stürmisch. Sie linsten neugierig in den Maxi Cosi, wo das Baby selig schlief. Etwas unbeholfen holten wir den Kleinen dann raus und ich legte mich erst mal mit ihm aufs Sofa. Da lag ich dann mit ihm und hätte mich von Luft und Liebe ernähren und ihn die ganze Zeit nur anschauen können. Ich brauchte kein Buch, keine Zeitung und keinen Fernseher. Er genügte mir vollkommen.

Wochenbett Naturkraxler alias Sarah Lehle Mops

Da das Badezimmer im Krankenhaus nicht besonders einladend war, hob ich mir das Duschen für Zuhause auf. Eigentlich wollte ich direkt nach der Geburt duschen, da machte aber mein Kreislauf nicht mit und am nächsten Tag dachte ich, das lohne sich jetzt auch nicht mehr, da ich ja eh am darauf folgenden Tag entlassen werden würde. Nach einer Geburt zwei Tage nicht zu duschen ist nicht sehr appetitlich, aber ich traute es mich schlicht und ergreifend nicht. Und auch am ersten Abend Zuhause habe ich ernsthaft überlegt, es noch einen Tag herauszuziehen. Den skeptischen Blicken meines Mannes leistete ich dann aber doch Folge und ging duschen.

Als ich so in der Dusche stand, war ich zunächst glücklich meinen Körper wieder für mich zu haben und welcome back, Füße! Ich war gefühlt ewig schwanger, sodass es für mich fast normal gewesen war, mit einer riesigen Kugel durch die Weltgeschichte zu kugeln. Und plötzlich war sie nicht mehr da. Das erste Mal ganz alleine und für mich, weinte ich unter der Dusche bitterlich. Die Geburt war sehr schwer gewesen und zum Wohle des Kindes wurden Eingriffe an mir vorgenommen, die mich ganz schön mitgenommen hatten, körperlich wie seelisch. Doch die Dusche tat so verdammt gut. Ich wollte gar nicht mehr raus und konnte es nicht fassen, darauf freiwillig verzichtet zu haben. Die nächsten Tage und Wochen saß mir die Angst im Nacken, die mich auf Schritt und Tritt verfolgte. Zum einen hatte ich Angst, bei mir könnten Spätkomplikationen auftreten. Bekam ich noch im Krankenhaus Heparin gespritzt, da es bei Ü30-ern wohl zu einer erhöhten Gefährdung für Thrombosen kommt, war ich nun Zuhause und sollte mich schonen. Schier rastlos tigerte ich durch die Wohnung und lief soviel es nur ging. Ich lief mehrmals täglich mit den Hunden, besuchte Verwandte, räumte die Wohnung auf und stillte im Sitzen. Bis sich dann mein Beckenboden schmerzhaft meldete. Mitten im Spaziergang. Ich schaffte es kaum nach Hause und so zwang mich mein Körper, einen ganzen Gang runter zu schalten.

Zum anderen hatte ich Angst, mit meinem Kind könnte etwas sein. Ständig schaute ich ganz intensiv auf seinen Bauch, ob er noch atmete. Unterwegs im Maxi Cosi oder Kinderwagen, dick eingepackt, stupste ich ihn oft an, nur damit er sich bewegte um mich zu beruhigen. Am schlimmsten war die Angst jedoch abends vor dem Schlafen gehen. Vor was genau, kann ich nicht sagen. Vermutlich einfach, dass er am nächsten Tag nicht mehr aufwachen könnte. Irgendwann hatte ich meine Mutter mal gefragt, wann die Angst ums Kind aufhört und sie meinte nur „eigentlich nie“. Ich musste lernen, die Angst zu überwinden und ins Vertrauen auf das Schicksal und darauf, dass alles gutgehen wird, zu gehen.

Die Hebamme kam in den ersten Tagen täglich zu uns, zeigte uns, wie man einen Säugling wickelt und wäscht. Etwa am dritten Tag meinte sie ganz nebenbei, die morgendliche Routine und das Wickeln sei dann immer das Gleiche. Und auch wenn das natürlich klar war, hat mich das doch irgendwie geschockt. Das war jetzt also mein Leben, Mutter und für die nächsten drei Jahre Hausfrau. Ich habe mich bewusst für ein Kind und auch für eine lange Elternzeit entschieden. An diesem Tag ereilte mich dann aber doch der Realitätsschock. Dieser war aber spätestens am nächsten Morgen wieder vergessen, als ich meinem Kind beim Lächeln im Schlaf zuschaute und wusste, dass ich für diesen kleinen Menschen, den ich eigentlich noch gar nicht kannte, alles tun würde. Das Gefühl, Mutter zu sein ist einfach unbeschreiblich.

Die panische Angst wurde im Laufe der ersten Wochen auch von Erschöpfung und Müdigkeit abgelöst. Alle zwei Stunden, wenn es gut lief, wollte der Kleine an die Brust. Manchmal auch öfter. Etwa ab dem zehnten Tag ging es dann los mit dem Spucken bei ihm. Speikinder sind ja bekanntlich Gedeihkinder und das trifft auf unseren Sohn definitiv zu. Ich konnte nicht fassen, wie viel so ein kleines Kind spucken kann und gleichzeitig so massiv zunehmen und wachsen. Unzählige Wäschewechsel aller Beteiligten und noch mehr Waschmaschinen zu waschen, können ganz schön an die Nerven gehen. Manche Babys haben ein Outfit für vier Tage, wir hatten vier Outfits für einen Tag. Und zwar für uns und für ihn.

Die Tage vergingen und das „Mein Gott, das Kind schreit“ wurde so langsam durch „warum schreit er denn jetzt schon wieder?“ abgelöst. Mit einem Neugeborenen das Haus zu verlassen, gleicht einem halben Marathon. Bis ich gestillt (und er aß ewig), mich angezogen, das Kind angezogen, ihn in den Maxi Cosi gesetzt hatte, war schon eine gefühlte Ewigkeit vergangen. Sobald er angegurtet war, machte er für sein Leben gern in die Windel. Also Kind wieder raus und alles auf Anfang. Und dann saß ich im Auto, fix und fertig mit den Nerven und durch die Stillhormone komplett durchgeschwitzt, schaute auf die Uhr und eigentlich wäre der geplante Termin genau jetzt, wir hatten aber noch etwa 20 Minuten Autofahrt vor uns. Zeitmanagement ist ein äußerst dehnbarer Begriff. Alles in allem muss ich aber sagen, dass die Anfangszeit relativ relaxed verlief. Oder anders ausgedrückt, man wächst mit seinen Aufgaben. Dies sind meine Erfahrungen, die ich um nichts in der Welt missen möchte.

Sarah von Naturkraxler

Mein Name ist Sarah, ich komme aus Baden-Württemberg und bin derzeit in Elternzeit. Mit meinen zwei Möpsen (vierbeinig wohl gemerkt) und meinem Kind bin ich sehr viel in der freien Natur. Denn anders als viele glauben, können Möpse ganz schöne Rennsemmeln sein, die voller Energie stecken.

Erfahre hier mehr über mich und meinen Blog „Naturkraxler“ …

Mein Wochenbett-Bericht – Sarah von Naturkraxler
By | 2019-01-08T14:29:39+00:00 24. Oktober 2018|Allgemein, oh-kind, Redaktioneller Beitrag, sei-dabei|0 Comments