Hilfe, mein Kind haut und beißt! Tipps einer Erziehungswissenschaftlerin – neues Video

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Was tun, wenn kleine Kinder plötzlich körperlich aggressiv werden und Mama, Papa oder sogar die Geschwister hauen, beißen, zwicken oder treten? Gerade unter Geschwistern kommt es oft regelmäßig zu Streit oder der angestaute Frust wird an den Erwachsenen ausgelassen. Erziehungswissenschaftlerin und Zweifachmama Steffi aus dem Familyroom gibt im Video ein paar liebevolle Tipps, erklärt was die körperlichen Attacken bei Kindern auslöst, wie man am besten darauf reagiert und wie man sie im Vorfeld sogar verhindern kann.

Steffi, Gründerin des Familyrooms in München, möchte Kinder und Eltern in der Beziehungs- und Persönlichkeitsentwicklung unterstützen und optimale Bedingungen zur erfolgreichen Bewältigung der Lebensaufgaben schaffen. Sie beschäftigt sich zusammen mit ihrem Team mit allen Themen, die Familien betreffen, von Erziehungs- und Entwicklungsthemen, über DIY-Ideen, bis hin zur Ernährung mit Kindern, und hat als integrative Lerntherpeutin ein besonderes Augenmerk auf den Prozess des Lernens.

Mehr Infos über Steffi und den Familyroom findest du hier …

Hier das ganze Interview nochmal zum Nachlesen

Saskia: „Steffi, du bist Erziehungs…“

Steffi: „Erziehungs- und Bildungswissenschaftlerin und integrative Lerntherapeutin.“

Saskia: „Hilfe, was mache ich – meine Kinder hauen, beißen, spucken?“

Steffi: „Also ich sag den Eltern bei uns im Familyroom immer, dass man eigentlich mit 5 verschiedenen Schritten gut ran gehen kann. Erstmal müssen wir natürlich einen Schritt zurückgehen, kurz durchatmen. Dann haben wir alle eigene Erziehungserfahrungen genossen. Früher war es ganz häufig noch so, dass wir für negatives Verhalten geschimpft wurden. Die Erziehungsmuster unserer Eltern müssen wir in eine Kiste packen und dann müssen wir schauen, okay, welches Bedürfnis hat unser Kind eigentlich, wenn es haut, beißt oder zwickt? Was will es damit ausdrücken und was ist eigentlich tatsächlich los? Warum macht es das gerade? Dann ist wichtig, dass wir mit unserem Kind auf Augenhöhe gehen, dass wir Verständnis zeigen, uns die Zeit nehmen, mit ihm gemeinsam eine Lösung zu finden und den Kindern andere Möglichkeiten aufzeigen. Wie zum Beispiel: Komm doch her und gib mir ein Bussi auf die Backe oder willst du auch mit uns mitkuscheln, dann komm doch her. Dass wir von diesem „Nein!“ wegkommen hin zu „Mach doch …“. Aber das dauert einfach …“

Saskia: „Ja, oft sind das ja dann Situationen, in denen man eh im Stress ist und es schnell gehen muss. Dann ist es natürlich einfacher zu sagen „Hör jetzt auf!“ als sich hinzusetzen und zu sagen „So, was ist denn jetzt eigentlich grad das Problem?“. Da muss man sich wahrscheinlich auch einfach die Zeit nehmen, oder? Meistens ist es ja glaube ich auch so, dass die Kinder das gar nicht böse meinen oder gar nicht wissen, dass das jetzt weh tut oder unangebracht ist. Wie gehst du mit deinen eigenen Kindern um, wenn dich zum Beispiel dein Großer haut oder beißt?“

Steffi: „Ich habe das ganz viel eher mit dem Kleinen als mit dem Großen.“

Saskia: „Der Kleine ist wie alt?“

Steffi: „Zwei. Bei ihm ist es ganz klar, dass er sich ausdrücken will und sich durchsetzen möchte, irgendwas zeigen möchte, dass er mitspielen möchte mit dem Großen und dann haut er. Und der Große macht das eher, wenn er wütend ist auf den Kleinen und er schon zwei-dreimal „Nein, hör auf!“ gesagt hat. Und wir hören es nicht und er weiß nicht mehr wie er sich helfen soll und dann haut er zu oder zwickt oder tritt oder beißt den Kleinen.

Saskia: „Was machst du dann?“

Steffi: „Ich versuche rechtzeitig einzugreifen bzw. beobachte oft erst und dann schau ich, dass ich rechtzeitig das Bedürfnis eben vom Großen oder auch vom Kleinen wahrnehme und dann verbalisier ich das. Also ich sag dann „Hey, ich seh genau, du willst das und das machen und ich weiß der Kleine nervt dich jetzt gerade.“

Saskia: „Also im Endeffekt die Situation vorher schon abpassen bevor es so weit kommt?“

Steffi: „Ja, besser gesagt, ich verbalisiere einfach und gucke hin um was es gerade geht. Weil eigentlich meinen die Kinder es nie böse. Die denken sich nicht mit Absicht „So jetzt zieh ich dem eins über und tu ihm weh.“, sondern sie wollen etwas Bestimmtes äußern und dann überkommen sie die Emotionen, sie können nicht anders. Und wir Eltern können ihnen ganz viel damit helfen, indem wir schauen, was jetzt eigentlich tatsächlich der Grund ist und was das Kind gerade braucht. Bei deinem Großen kann’s auch sein, dass er gerade Aufmerksamkeit braucht von dir und deswegen haut oder beißt oder zwickt oder je nachdem.“

Saskia: „Ich bin ja in meiner Situation, finde ich, in einer Zwickmühle. Also der Große kommt her und beißt oder haut den Kleinen. Ich nehm dann natürlich den Kleinen und tröste ihn oder rette ihn und damit frustriere ich den Großen ja wieder umso mehr, weil ich den Kleinen bevorzuge. Das ist ganz oft mein Problem da zu wissen, wie ich reagieren soll, wenn’s schon passiert ist. Also wenn er den Kleinen schon gehauen hat oder wenn von hinten eine Attacke kommt und er mir in die Schulter beißt. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich oft im Affekt handle und dazu neige zu erschrecken und den Großen so ein bisschen wegzustoßen. Was natürlich auch eher falsch ist, oder?“

Steffi: „Natürlich haben wir Eltern alle auch Emotionen und Reaktionen, die wir zeigen, aber wir können unser Kind in dem Moment auch erstmal in den Arm nehmen und sagen „Hey, was ist denn eigentlich los mit dir. Komm doch her, ich drück dich mal kurz. Bist du müde, hast du Hunger, willst du auch meine Aufmerksamkeit oder brauchst du auch gerade meine Zeit?“ Sodass wir einfach mal genau das Gegenteil machen. Also in den Arm nehmen, Kontakt aufnehmen zu dem Kind. Bei uns war es ja tatsächlich so, dass ich das voll abbekommen habe von dem Großen – da war ich total der Buhmann. Das war für mich hart. Ich habe echt im Wochenbett vom Kleinen viel geheult und auch danach, weil der Große dann auch zu mir gesagt hat „Du bist nicht mehr meine Mama, du bist nur noch die Mama von dem Kleinen.“ Im Nachhinein denke ich mir aber, ich bin froh, dass er es an mir ausgelassen hat und nicht an dem Kleinen, weil ich dadurch nicht immer die Sorge hatte, den Kleinen beschützen zu müssen. Ich habe einfach gewusst, der würde ihm nie was tun. Aber dann hab’s halt ich abbekommen. Und bei euch ist es eben andersrum. Irgendwo müssen sie diesen Frust abladen und es gibt diese Gefühle nunmal und die müssen irgendwo hin.

Saskia: „Ich werde jetzt auf jeden Fall nach Hause gehen und deine Tipps mal ausprobieren und bin dir sehr dankbar für diese andere Sichtweise, liebe Steffi!“

Viel Spaß mit dem neuen Video!

Saskia von wowmom.tv in Zusammenarbeit mit Steffi aus dem Familyroom

Hilfe, mein Kind haut und beißt! Tipps einer Erziehungswissenschaftlerin – neues Video
By | 2019-01-08T13:52:18+00:00 10. November 2018|Allgemein, Video, wow-videos|0 Comments